die Geschichte der Türme am Schwarzen Grat

Geschichte des Turmes

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Allgäu dem Fremdenverkehr geöffnet, herbeigeführt durch die Anlage landverbindender Eisenbahnlinien. Sicher hat auch die neu erwachte Liebe zu Land und Volk die Reise- und Wanderlust begünstigt. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und den Fremdenverkehr zu fördern, wurde am 16. April 1877 unter dem Namen „Schwarzer Grat Verein“ ein „Verschönerungsverein“ ins Leben gerufen. Das Ziel dieses Vereins lag offen: Erschließung der Adelegg mit dem Schwarzen Grat, des Eistobels, Verschönerung der Stadt Isny und ihrer Umgebung. Hauptanliegen war der Ausbau von Wanderwegen und die Errichtung einer Unterkunft auf dem Schwarzen Grat, die gleichzeitig als „Lug ins Land“, wie man damals die Aussichtstürme bezeichnete, dienen sollte. Dank großzügiger Unterstützung des Herrn Grafen von Quadt-Wykradt konnte dieser erste Pavillon, ein turmartiges Gebäude mit drei Etagen, schon ein Jahr später gebaut werden. Der Kostenaufwand betrug damals 700 Mark.

So brach am 5. September 1878 nachmittags Punkt ein Uhr eine große Schar fröhlicher Wanderer vom Schillerplatz in Isny auf, um auf die freien lichten Höhen des Schwarzen Grates zu wallen und dem Schutzturm, Lusthaus oder wie man den Pavillon sonst noch nannte, die lang ersehnte Weihe zu geben. Unterwegs begegnete man einigen schon wieder absteigenden Leutkircher Freunden, welche, um den Zug nicht zu versäumen, die Einweihungsfeierlichkeiten nicht mehr abwarten konnten. Ihr unerbittliches Schicksal wurde allgemein lebhaft bedauert. Unterdessen erfreuten sich die oben Angekommenen an dem prächtigen Blick in die Alpenwelt, in die oberschwäbische Hochebene und auf den Bodensee. Für Unterhaltung sorgte die Bolsternanger Musikkapelle. Stadtschultheiß Munz hielt eine Ernst und Humor vereinigende Rede, in der er Zweck und Geschichte der Errichtung dieses „Lug ins Land“ auseinander setzte. Der Kassier des Verschönerungsvereins bot Enzian und Obstler zur Stärkung der Wanderfreunde an. Bald entwickelte sich ein gemütliches Leben und Treiben.

Als der „Verschönerungs-Finanzminister“ auf der Plattform des Turmes auftauchte und jeder sich auf eine humorige Rede freute, geschah Unerhörtes : kein freudiger Toast entströmte seinen Lippen, sondern nur die inhaltsvolle Mitteilung, dass der Herr Vetter auch Butter und Käse heraufgebracht habe, der hiermit den verehrten Anwesenden bestens empfohlen werde. Ein homerisches Gelächter belohnte diesen gelungenen Scherz des wackeren Kassiers. Jedem erschien die Stunde des Aufbruchs viel zu früh, und mit Liedern verabschiedete man sich von dem hübschen Pavillon.

Im Jahr 1881 übergab der Verschönerungsverein den Schwarzen-Grat-Pavillon der neu gegründeten „Sektion Schwarzer Grat“ des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, der mit dem Pavillon auch die Obhut und Pflege der Adelegger Wanderwege übernahm. Leider war der Holzbau dieses ersten Turmes der rauen Witterung nicht gewachsen, und obwohl der Untergrund des Turmbaus schon 1882 entwässert wurde, konnte der fortschreitende Verfall nicht mehr aufgehalten werden. So entschloss man sich bei der Hauptversammlung im Jahre 1902 zum Bau eines neuen und höheren Turmes. Die Kosten für einen Eisenbetonbau überstiegen aber bei weitem die vorhandenen Mittel, und so beschloss man 1904 wieder einen Holzbau, diesmal jedoch auf einem Zementsockel.

Oberamtsbaumeister Kluftinger aus Leutkirch fertigte den Plan für das Bauwerk. Am 17. September 1905 fand die Einweihungsfeier statt. Von allen Seiten kraxelten die Bergfreunde, die Mitglieder des D.Ö. Alpenvereins, des Allgäuverbandes des Schwäbischen Albvereins und viele sonstige Touristen herauf auf die Höhe des Schwarzen Grates und vereinigten sich um das mit Kranzgewinden gezierte und von Flaggen in den Fürstlich Quadt´schen, Württembergischen, Bayerischen und Österreichischen Farben umgebene Bauwerk. Mit Kanonenschüssen und unter den Klängen der Isnyer Stadtkapelle wurde der Turm eingeweiht. Ein klarer Sonnentag lag über dem Berg, als Stadtschultheiß Fischer, Leutkirch, für den erkrankten 1. Vorsitzenden unter den Glückwünschen der befreundeten Verbände den Turm seiner Bestimmung übergab. Postsekretär Mahle, Waldsee, überbrachte der Sektion Schwarzer Grat Glückwünsche vom Allgäuverband des Schwäbischen Albvereins. Herr Pfeilsticker, der Obmann der Ortsgruppe Isny des Schwäbischen Albvereins, übergab als Andenken ein Panorama vom Schwarzen Grat, damit jeder Besucher die einzelnen Örtlichkeiten feststellen kann. Der Vorstand des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs in Isny, Aufsichtslehrer Röser, beglückwünschte die Sektion zu ihrem stattlichen Aussichtsturm und gedachte der Einweihungsfeier des vor 27 Jahren vom Verschönerungsverein erstellten Pavillons.

Die vielen Wanderer, die es auf den höchsten Berg des damaligen Königreiches Württemberg zog, konnten die Rundumsicht nun wieder genießen, Lange Zeit gab es keine Veränderungen mehr. Im Jahre 1928 erwarb der Schwäbische Albverein den Pavillon von der Sektion Schwarzer Grat des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins. Der Allgäugau führte seine Gauwanderung zum Schwarzen Grat durch. Bei dieser Gelegenheit wurde der Turm am 5. August 1928 eingeweiht. Der Pavillon wurde nach dem Krieg wieder instand gesetzt. Am 21. Mai 1950 gab es aus diesem Anlass auf dem Schwarzen Grat ein Wandertreffen des Allgäugaues. Der Schwäbische Albverein bekundete anlässlich einer Sternwanderung zum Schwarzen Grat, einen neuen Aussichtsturm zu bauen. Der 60 Jahre alte Pavillon wurde in der Höhe von den Fichten eingeholt und bot kaum noch eine Aussicht. Auch der Zahn der Zeit und die raue Witterung hatten ihm arg zugesetzt. Doch zu dieser Zeit gab es scheinbar unüberwindbare Gegensätze.

Die Schwäbische Zeitung berichtete darüber: „Nach der Kundgebung am Sonntagnachmittag empfing Fürst Paul von Quadt Direktor Fahrbach und Landrat Dr. Münch zu einer zweieinhalbstündigen Besprechung über diese Fragen. Dabei kam aber noch nicht allzu viel heraus. Der Fürst wendet sich keineswegs gegen den Neubau eines Turmes auf dem Schwarzen Grat, er will aber keinen Quadratmeter Boden an den Albverein verkaufen oder in Erbpacht vergeben, wie es dieser vorgeschlagen hat. Nach einem Beschluss des Hauptausschusses darf nämlich der Albverein nur auf eigenem Grund und Boden oder auf Gelände in Erbpacht eigene Bauten errichten. Der Fürst meinte dazu, dann müsse eben der Albverein seine Beschlüsse ändern. Andererseits war er aber sofort bereit, für den neuen Turm, der mindestens 25 Meter hoch werden müsse, damit er über die Tannenspitzen hinausragt, 15 Festmeter Holz zu stiften. Dagegen fand die Bitte, das Bauholz südlich und östlich vom Turm schlagen zu lassen, damit ein besserer Ausblick auf das Hochgebirge frei werde, kein Gehör.“

Doch das Schicksal ereilte den Pavillon, er brannte am 15. September 1967 infolge eines Blitzschlages ab. Anfang des Jahres 1969 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Sie zogen sich bis April 1970 hin. Zwischen dem Fürstlichen Hause Quadt und dem Albverein kam es zu einer Verständigung über den Bau eines neuen Aussichtsturmes auf dem Schwarzen Grat. Am 19. April 1970 fand im Nebenzimmer des Hotel Ochsen die erste Sitzung über den „Wiederaufbau des Aussichtsturmes auf dem Schwarzen Grat bei Großholzleute“, so geschrieben im Sitzungsprotokoll, statt. Die Teilnehmer waren : Direktor Fahrbach, Gauobmann Lakner, Vertrauensmann Wangler, Bürgermeister Benk, Gauobmann i.R. Hans Ott, Gauwegmeister Dadischek, Lehrer Boneberger in Vertretung von Bürgermeister Freff, Dr. Espenschied, Kreisbaumeister Wiech, Oberförster Schaupp, Rechner Gruber, Bausachverständiger Wecker und Architekt Kellner.

Auszüge aus dem Protokoll: Als erster Punkt ist der Einweihungstermin „Himmelfahrt 1971“ (20.Mai 1971) festgeschrieben worden. Über die Zufahrt zur Baustelle konnte noch keine endgültige Klarheit erzielt werden. Weiterhin wird über die Firmen gesprochen, die den Turm erstellen sollen, auch über die Person des Architekten, wofür Herr Kellner, Isny vorgeschlagen sei. Dann wird über die Form des Turmes, ob quadratischer oder sechseckiger Grundriss, diskutiert. Man hält einen quadratischen Grundriss , schon aus Gründen der vereinfachten Konstruktion für das Gegebene. Bausachverständiger Wecker vom SAV ist der Ansicht, dass die Holzverschalung durch einen anderen Baustoff ersetzt werden solle, da erfahrungsgemäß die Westseite sehr in Mitleidenschaft gezogen werde und eine Holzverschalung alle 3 bis 5 Jahre einen Anstrich erfordere, der wegen der Gerüste recht kostspielig sei. Die Einwürfe von Kreisbaumeister Wiech, dass ein Holzturm doch eine relativ kurze Lebensdauer habe, werden vom Vorsitzenden zurückgewiesen mit der Begründung, dass unsere Holztürme erfahrungsgemäß eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren haben und dass angesichts der wesentlich geringeren Baukosten dem Holzturm der Vorzug zu geben sei, zudem passe ein solcher viel besser in diese Landschaft. Der Vorsitzende Direktor Fahrbach führt weiter aus, dass Fürst Paul von Quadt sich mündlich bereit erklärt habe, 15 Festmeter Holz für den Turm zu stiften, was allgemein anerkannt wird. Bürgermeister Benk erklärt sich bereit, in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der weiteren Umgebung eine Aktion ins Leben zu rufen mit dem Ziel, das restliche Bauholz für den Turm als Stiftung zu beschaffen. Architekt Kellner legt einige Entwürfe vor, die jedoch nicht ganz befriedigen. Er empfiehlt eine größere Auskragung auf der Höhe der Aussichtsplattform als bei bekannten Türmen. Der Vorsitzende umreißt nun genau seine Vorstellungen über den zu erstellenden Turm. Es wird beschlossen, dass Herr Kellner neue Entwürfe fertigt, die am Samstag, 9. Mai 1970 im Rathaussaal zu Isny dem Bauausschuss zur Beratung vorgelegt werden sollen.

Die Verantwortlichen taten alles, um den Bau bald beginnen zu können. Die baureifen Pläne lagen nun vor. Das Landratsamt hatte seine Baugenehmigung ebenfalls erteilt. Nun begannen für die Ortsgruppe Isny ab Juli 1970 die vorbereitenden Arbeiten wie Holz fällen und Wegebau. Dazu wurden freiwillige Helfer gesucht. Mitglieder und Freunde schafften fast das gesteckte Ziel, trotz des manchmal widrigen Wetters. Vertrauensmann Wangler konnte Anfang November 1970 über die geleisteten freiwilligen Stunden, es waren 287 an 15 Tagen und rund 700 km mit den Fahrzeugen, berichten. Bis Mitte November lagen Zusagen für Holzspenden in Höhe von 105 Festmeter vor. Doch der Winter kam verhältnismäßig früh. Die Arbeiten wurden fortgesetzt und die Außenstützen hatten die endgültige Höhe erreicht, die Arbeitshöhe lag bei 24 Meter. Bis zur geplanten Höhe von 28 Meter fehlten Anfang Dezember nur noch 4 Meter. Für die 10 Zimmerleute war es harte Arbeit. Das gesamte Bauholz musste von Hand hochgezogen werden, auch die Außenstützen mit einer Länge von 9 Meter und einem Querschnitt von 30 auf 30 cm. Der Winter 1970/1971 meinte es mit den Bauleuten am Turm nicht gut. Man befürchtete bereits, dass die Einweihung verschoben werden müsste. Der Badertobel – Weg musste für die Baufahrzeuge zu Beginn und Ende des Winters vom Eis und Schnee befreit werden. Doch der unermüdliche Einsatz der Mitglieder zusammen mit der Stadt ermöglichten den baldigen Weiterbau im Jahre 1971. Das Bauwerk konnte rechtzeitig fertiggestellt werden. Die Baukosten beliefen sich auf 165.000 DM. An Spenden kamen rund 11.100 DM zusammen, von den umliegenden Gemeinden Beuren, Eglofs, Großholzleute, Isny und Rohrdorf, Firmen und Privatpersonen.

Am Himmelfahrtstag des Jahres 1971, dem 20.Mai, strömten etwa 5000 Wanderer auf den Schwarzen Grat, um bei der Einweihung dabei zu sein. Diesen herrlichen Frühlingstag wird man nicht so schnell vergessen. Architekt Kellner übergab Dr. Georg Fahrbach symbolisch einen Riesenschlüssel. Im Jahre 1984 drohte dem Turm wieder Ungemach, jedoch nicht durch Wind und Wetter, sondern vom Südwestfunk. Die Versorgung des oberschwäbischen Raumes diente als Argument, auf der Adelegg einen Sendemast zu errichten. Der Schwarze Grat und der Herrenberg als mögliche Maststandorte liegen in dem seit 1952 eingetragenen Landschaftsschutzgebiet. Der SWF wollte dann mit einem Provisorium auf dem Herrenberg, Ortschaft Rohrdorf, beginnen. Doch der Ortschaftsrat entschied sich in einer öffentlichen Sitzung einstimmig gegen den Bau. Das war wohl ein guter Fingerzeig für die Entscheidung in der Stadt. Der Isnyer Gemeinderat lehnte das Vorhaben des SWF nach dreistündiger Beratung einstimmig ab. Der Bestand des Turmes war damit gesichert.

Am Pfingstmontag, dem 27. Mai 1996 feierten etwa 300 Wanderfreunde das 25-jährige Turmjubiläum. Es herrschte leider kein Jubiläumswetter, Windböen, starker Regen und tiefhängende Wolken ließen keine rechte Stimmung aufkommen. Trotzdem kamen Gäste, der Präsident Peter Stoll, Bürgermeisterstellvertreter Julius Hofer von Isny und Albvereinsmitglieder aus dem ganzen Allgäugau zum Turm.

Fünf Jahre später, wieder einmal am 20. Mai 2001, feierte der Schwäbische Albverein bei strahlendem Sonnenschein 30 Jahre Aussichtsturm auf dem Schwarzen Grat. Der Allgäugau mit seinen Ortsgruppen kam in einer Sternwanderung zum Schwarzen Grat. Zahlreiche Wanderer aus nah und fern nutzten den schönen Tag, um zum Schwarzen Grat zu wandern und die Aussicht auf dem Turm zu genießen. Gerlinde Maier, die erste Vorsitzende der Ortsgruppe Isny, begrüßte alle Gäste, die zur Feier des Jubiläums zum Aussichtsturm gekommen waren. Die Feier begann mit einem Morgenlob unter musikalischer Mitwirkung der Stadtkapelle Isny. Der Gauobmann des Allgäugaues Karl Brunner freute sich über die zahlreiche Beteiligung an der Sternwanderung zum Schwarzen Grat und dankte den Wanderwarten und Vorsitzenden für ihren Einsatz. Der Vizepräsident Herr Wolf war begeistert von dem gelungenen Fest beim Turm und dankte den verantwortlichen Mitgliedern für ihre Arbeit. Es war ein schönes Fest beim Turm.

Kurze Zeit später wurde der Turm von außen erneuert. Ein Gerüst auf allen vier Seiten verhüllte über eine gewisse Zeit den Aussichtsturm. Er bekam nach 30 Jahren „ein neues Gewand“ aus unbehandeltem Lärchenholz. Die Fichtenbretter waren teilweise gerissen, weil sie zu breit waren. Dadurch konnte bei starkem Wind und Regen Feuchtigkeit auf die tragenden Holzbalken gelangen. Das musste dringend geändert werden. Die auskragenden Metallstützen für die Umrandung der Plattform wurden von zwei Mitgliedern Hans Rühle und Franz Butscher wettersicher gemacht. Das rote Lärchenholz leuchtete zu Anfang in der Abendsonne rot, sodass scherzhaft in Isny gefragt wurde, weshalb der Albverein den Turm jetzt am Abend anstrahlt, wobei fast jeder wusste, dass es rund um den Turm keinen Strom gibt.